„Mehr als nur Kaffee – Ein Raum für echten Wandel“
Seit 25. Juni gibt es in Daxlanden einen Raum für Begegnung, sehr guten Kaffee und attraktive Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung – das Café SAMOCCA Augustine im August-Klingler-Areal.
Nahezu hundert Gäste waren zur Eröffnung gekommen und das komplette SAMOCCA-Team war am Start, als Stefan Storz, Geschäftsführer der Volkswohnung den Schlüssel an Lebenshilfevorstand Michael Auen übergab.
Damit endete eine jahrelange Planungsphase, in der die Volkswohnung die ehemaligen Sportplätze des Areals in Bauplätze für dringend benötigten Wohnraum umwandelte. Anfang dieses Jahres fanden hier 900 Menschen ein neues Zuhause. Als letzte Baumaßnahme wurde das ehemalige denkmalgeschützte Vereinsheim in ein modernes Kaffeehaus verwandelt.
Die Hagsfelder Werkstätten und Wohngemeinschaften Karlsruhe gGmbH (HWK) betreiben hier nun ein Kaffeehaus nach dem Franchisekonzept SAMOCCA der Ostalbwerkstätten. Die Idee des Konzepts ist, einen Wohlfühlort für Menschen jedes Alters und jeder Herkunft zu schaffen und Menschen mit und ohne Behinderung vielfältige und attraktive Arbeitsplätze anzubieten. Gestaltung und Atmosphäre orientieren sich an der Wiener Kaffeehauskultur. Auf der Karte stehen vielfältige Kaffeespezialitäten, selbstgemachte Limos, feiner Kuchen und hochwertige kleine Speisen. Gäste können hier außerdem eine reiche Auswahl an sortenreinen Spezialitätenkaffees sowie fein abgestimmten Gourmetmischungen der Kaffeerösterei SAMOCCA erwerben.
Der Gastraum mit seinen hohen Decken und alten Fenstern zu zwei Seiten bietet 40 Sitzplätze. Auf der Terrasse finden bis zu 60 Menschen Platz unter zwei Schatten spendenden Kastanienbäumen.
18 Menschen mit Behinderung werden hier unter der Anleitung der Kaffeehausleiterin Ioanna Katzikidou und drei weiteren Fachkräften in einem neuen Arbeitsfeld tätig sein, das ihnen angesichts des Personalmangels in der Gastronomie gute berufliche Perspektiven bietet. Damit schließt sich eine Lücke in dem Angebot der beruflichen Bildung im Gastrobereich der HWK mit seinem IHK-zertifizierten Lehrgang für Assistent*innen im Gastgewerbe, den Praktikumsmöglichkeiten in der Gemeinschaftsverpflegung der HWK und der von der HWK betriebenen KarlsKantine der Stadt Karlsruhe.
Mit dem SAMOCCA Augustine will die Lebenshilfe aber auch einen Ort für Kultur, Austausch und Diskussion schaffen. Michael Auen erinnerte in seiner Begrüßung an die Tradition der Wiener Kaffeehauskultur: „Nutzen wir die ‚SAMOCCA-Augustine‘ ab heute so, wie Literat*innen, Musiker*innen und Denker*innen im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert die Wiener Kaffeehäuser genutzt haben: Als Informationsdrehscheibe und Keimzelle des Wandels. Als Ort der Gemeinschaft und Gemütlichkeit. Als Ort von Genuss und Gastfreundschaft. Hier in Daxlanden aber ebenso als einen Ort der Nachbarschaft und Freundschaft. Lassen Sie uns hier bei einer Tasse Kaffee nicht nur das Leben genießen, sondern auch Pläne schmieden. Lassen Sie uns hier politisch debattieren, Netzwerke knüpfen und laut werden!“
Das SAMOCCA Augustine hat mittwochs bis montags von 8 bis 18 Uhr geöffnet. Dienstag ist Ruhetag.
Weitere Informationen gibt es auf Samocca Augustine – Kaffeerösterei, Cafe, Deli.
Rede zur Eröffnung von SAMOCCA-Augustine am 25.6.2026
Michael Auen, 1. Vorstand, Lebenshilfe Karlsruhe, Ettlingen und Umgebung e.V.
„Mehr als nur Kaffee – Ein Raum für echten Wandel“
Der Duft von Kaffee und die Geschichte des Widerstands
Sehr geehrter Herr Storz,
sehr geehrte Damen und Herren, liebe Gäste,
SAMOCCA ist eine Gründung der Ostalb-Werkstätten. Sie vergeben den Namen in einem Franchisekonzept. Wir eröffnen heute dieses und im Oktober ein weiteres in Stutensee-Blankenloch. Träger der Ostalb-Werkstätten ist die Samariterstiftung. Die Verbindung unserer Lebenshilfe mit der Samariterstiftung liegt auch in der gemeinsamen politischen Arbeit in der Gedenkstätte Grafeneck. Wenn Sie so wollen, ist diese Arbeit auch die Keimzelle der Arbeit mit und für Menschen mit Behinderung nach der Zeit des Nationalsozialismus.
Wenn wir heute dieses neue SAMOCCA-Café eröffnen, dann atmen wir nicht nur den Duft von frisch geröstetem Kaffee ein. Wir betreten auch einen Raum mit einer tiefen, fast revolutionären Tradition. Wer an historische Kaffeehäuser denkt, denkt oft an Gemütlichkeit. Doch die Geschichte zeigt: Kaffeehäuser waren immer auch Orte des Widerstandes. Sie waren Räume, in denen Menschen zusammenkamen, um das Bestehende zu hinterfragen und um gesellschaftliche Veränderungen anzustoßen.
Die Brücke zum Standort und zum Namen
Jedes Kaffeehaus braucht seine eigene Identität und wurzelt in seiner Umgebung. August Klingler gibt diesem Areal den Namen, davon abgeleitet heißen wir SAMOCCA-Augustine.“ Mit diesem Namen schlagen wir die Brücke von der Geschichte dieses Ortes direkt in unsere Gegenwart. Auch die ‚SAMOCCA-Augustine‘ ist im besten Sinne ein Ort des Widerstandes. Sie leistet von heute an tagtäglich aktiven Widerstand gegen die Barrieren in den Köpfen unserer Gesellschaft.
Aktueller politischer Bezug und die Haltung der Lebenshilfe
So stolz wir heute auf dieses Café sind, so ehrlich müssen wir sein: Ein inklusives Café darf keine Oase in einer ansonsten mangelhaften Landschaft sein. Die Lebenshilfe hat sich den politischen Widerstand für eine echte Reform der Behinderten- und Eingliederungshilfe auf die Fahnen geschrieben. Und dieser Widerstand ist bitter nötig, denn die aktuellen politischen Rahmenbedingungen blockieren echte Teilhabe oft mehr, als sie sie fördern.
Deshalb sagen wir heute in aller Deutlichkeit in Richtung Politik und Gesellschaft: Die Lebenshilfe ist wütend – aber sie wütet nicht. Wir blicken mit Zuversicht in die Zukunft. Wir gestalten diesen Sozialraum mit.
Wir wüten nicht, weil wir hier den lebenden Beweis für das Gelingen erbringen. Wir zeigen, wie eine gerechte Welt aussieht. Und egal, wie dick die bürokratischen Bretter sind, die wir noch bohren müssen – unsere Botschaft an die Gesellschaft und die Politik steht fest: Wir sind gekommen, um zu bleiben. Trotzdem.“
Das Café als politische Keimzelle
Nutzen wir die ‚SAMOCCA-Augustine‘ ab heute so, wie Literat*innen, Musiker*innen und Denker*innen im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert die Wiener Kaffeehäuser genutzt haben: Als Informationsdrehscheibe und Keimzelle des Wandels. Als Ort der Gemeinschaft und Gemütlichkeit. Als Ort von Genuss und Gastfreundschaft. Hier in Daxlanden aber ebenso als einen Ort der Nachbarschaft und Freundschaft. Lassen Sie uns hier bei einer Tasse Kaffee nicht nur das Leben genießen, sondern auch Pläne schmieden. Lassen Sie uns hier politisch debattieren, Netzwerke knüpfen und laut werden!
Auf die Zukunft
Dieses Café beweist, dass Veränderung möglich ist, wenn man mit Mut und Zuversicht vorangeht. Ich wünsche dem gesamten Team der SAMOCCA-Augustine großartige Begegnungen, starken Kaffee und uns allen den langen Atem für den notwendigen Widerstand.
Dank an Beteiligte:
• Eva Mais und Thorsten Bender (Leitungskräfte HWK)
• Dem neuen Team der SAMOCCA-Augustine unter der Leitung von Ioanna Katsikidou
• Jochen Krämer, Mihai Pilsow und Andrea Santos (Architekten)
• Alle Handwerkerinnen und Handwerker, insbesondere diejenigen, die zu außergewöhnlichen Zeiten besondere Dinge ermöglicht haben.
• Anja Kulik von der Volkswohnung
• SAMOCCA als Franchisegeber, heute vertreten durch Holger Mayr und Sabine Eberhard
• Sparkasse Karlsruhe, heute vertreten durch Nadine Scheer
• Der SJB, heute vertreten durch Manuel Daum und Selja Pape
• Den Mitgliedern der Aufsichtsgremien der Lebenshilfe Gruppe
• Dem Bürgerverein Daxlanden, heute vertreten durch Andreas Huber und Reimund Horzel
• Unseren neuen Nachbarn von Caritas und Evangelischer Kirche Karlsruhe
Herzlichen Dank an alle – die SAMOCCA-Augustine ist offiziell eröffnet!
