Vernichtet die zunehmende Digitalisierung von Arbeitsprozessen Arbeitsplätze oder schafft sie Chanen für neue Teilhabe am Arbeitsmarkt?
Das ist die „Gretchenfrage“ in zahlreichen Branchen, wenn es um den zunehmenden Einsatz von Automatisierung, Robotik und KI in der Arbeitswelt geht. Und es war auch eine wichtige Frage beim Entwicklungsforum am 15. September, bei dem sich Leitungskräfte und Mitarbeiter*innen aus den verschiedenen Bereichen der Werkstatt einen Vormittag lang mit den Chancen und Risiken von Automatisierung in der HWK auseinandergesetzt haben.
Klar ist: Auch die Hagsfelder Werkstätten und Wohngemeinschaften Karlsruhe (HWK) kommen an der zunehmenden Automatisierung von Prozessen nicht vorbei, wollen sie wettbewerbsfähig bleiben und damit ihre Wirtschaftlichkeit sichern bzw. verbessern. Schließlich ist der wirtschaftliche Erfolg im Bereich Fertigung und Dienstleistung Voraussetzung, um in weitere Förderung und Bildung der Beschäftigten mit Behinderung zu investieren.
Die spannende Frage ist: Fördert die zunehmende Automatisierung die Teilhabe der Menschen mit Behinderung am Arbeitsleben oder nimmt sie nicht gerade den Leistungsschwächeren die Arbeit weg?
Antworten dazu liefern Beispiele von bereits eingeführter Automatisierung in der HWK-Praxis: So ermöglicht die Einführung eines automatisierten Kassensystems im CAP-Markt Ettlingen auch Menschen, die nicht zählen und rechnen können, die Arbeit an der Kasse. CNC-Maschinen in der Holz- und Metallfertigung werden von Beschäftigten bedient und bieten ihnen damit eine wichtige Voraussetzung für die Qualifizierung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt. Und die Prüf-Teilautomation unserer digitalen Werkerassistenten fördern die Selbständigkeit der Beschäftigten, in dem nicht mehr jeder Schritt vom Gruppenleiter nachgeprüft werden muss. Dadurch werden gleichzeitig Ressourcen frei, die der Gruppenleiter oder Gruppenleiterin für die Bildung und Förderung einsetzen kann.
Im Rahmen des Entwicklungsforums entstanden zahlreiche weitere Ideen für Automatisierungen in einzelnen Bereichen der Fertigung und Dienstleistung. Die Teilnehmer*innen entschieden sich schließlich dafür, Möglichkeiten zur Automatisierung von Prüfvorrichtungen zu entwickeln. Eine Arbeitsgruppe wird dazu bis Ende des Jahres eine Projektskizze entwickeln.
Die Herausforderung bei der Automatisierung von Prozessen wird darin bestehen, immer wieder kritisch zu prüfen, ob sie schlussendlich der Bildung und Förderung und damit der beruflichen Teilhabe von Menschen mit Behinderung dient.
Und eine weitere spannende Frage wird sein, inwieweit die beispielsweise die Robotik im Förder- und Betreuungsbereich, im Wohnen und in der Pflege unterstützen könnte.
