Am 25. September fand der bundesweite Aktionstag Schichtwechsel statt. Im Rahmen des Schichtwechsels tauschen Beschäftigte aus Werkstätten für behinderte Menschen und Mitarbeitende des allgemeinen Arbeitsmarktes ihre Arbeitsplätze. Die Hagsfelder Werkstätten und Wohngemeinschaften Karlsruhe gGmbH (HWK) konnten für den diesjährigen Schichtwechsel das Badische Staatstheater Karlsruhe und die Stadt Ettlingen gewinnen.

Hannah Rech, Leiterin der Abteilung Kunst und Vermittlung am Badischen Staatstheater, arbeitete in einer Montagegruppe der HWK am Standort Neureut mit. Dort montierte sie unter Anleitung der Beschäftigten mit Behinderung Brühgruppen für Kaffeevollautomaten. „Ich erlebe die Menschen hier sehr offen und stolz auf ihre Arbeit“, berichtet sie. Ihr Tauschpartner Thorsten Decker verbrachte einen Vormittag in der Orchesterprobe und der Lichtprobe für die Oper Les Boréades, die demnächst Premiere hat. Für Thorsten Decker, der als Schauspieler in der inklusiven Theatergruppe die SP!NNER mitwirkt, bot der Schichtwechsel einen aufregenden und informativen Einblick hinter die Kulissen eines großen Theaterhauses. Als Arbeitsort wäre ihm das Theater allerdings zu stressig: „Theaterspielen ist und bleibt mein Hobby!“, betont er nach diesem Vormittag.

„Wir möchten uns als Theater noch mehr für Menschen mit Behinderung öffnen – als Besucher, aber auch als mögliche Mitarbeiter. Dafür ist die Kooperation mit der HWK sehr hilfreich“, zieht Hannah Rech Bilanz. Als nächstes ist ein Besuch ihres gesamten Teams in der HWK geplant.

In Ettlingen tauschte Nabil Schanze, Beschäftigter der HWK am Standort Ettlingen-West, seinen Arbeitsplatz mit Christina Rumancev, die eine Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten bei der Stadt Ettlingen macht. Christina Rumancev arbeitete in der Kantine der Werkstatt mit. „Mir fiel auf, dass die Beschäftigten der HWK sehr aufeinander achten“, berichtete sie. Für sie sei der Einsatz eine große Bereicherung gewesen: „Die Erfahrung hilft, im Alltag besser miteinander umzugehen.“ Nabil Schanze begleitete Luisa Adamzseski im Amt für Bildung, Jugend, Familie und Senioren bei ihrer Arbeit. Er nahm an einer Besprechung teil und half, eine Veranstaltung im Begegnungszentrum vorzubereiten. „Ich kann mir gut vorstellen, auch mal bei der Stadt zu arbeiten,“ stellt er nach dem Schichtwechsel fest. „Der Schichtwechsel war ein Augenöffner für die Möglichkeit einer betrieblichen Integration von Menschen mit Behinderung bei der Stadt Ettlingen“, sagte Amtsleiter Sebastian Becker und kündigte an, auch über den Aktionstag hinaus mit der HWK nach weiteren gemeinsamen Projekten schauen zu wollen.

„Der heutige Schichtwechsel bot eine gute Gelegenheit, Barrieren abzubauen, Verständnis zu fördern und gemeinsam für einen inklusiven Arbeitsmarkt einzustehen“, sagt Simon Scholtz, Geschäftsleitung Rehabilitation und Bildung der HWK gGmbH. „Wir erhoffen uns davon eine weitergehende

Zusammenarbeit mit den teilnehmenden Unternehmen, beispielsweise in Form von betrieblicher Integration von Menschen mit Behinderung.

Insgesamt 2700 Beschäftigte aus rund 370 teilnehmenden Werkstätten und 2.100 Tauschpartner*innen aus Unternehmen beteiligten sich bundesweit am diesjährigen Schichtwechsel.

„Der Aktionstag erinnert uns daran, Barrieren weiter abzubauen und Inklusion konsequent weiter voranzubringen“, sagte Bärbel Bas, Bundesministerin für Arbeit und Soziales.

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Werkstätten für behinderte Menschen (BAG WfbM) koordiniert den Aktionstag Schichtwechsel auf Bundesebene seit 2019. Andrea Stratmann, Vorstandsvorsitzende der BAG WfbM, sagte: „Die stetig wachsende Zahl und Vielfalt der Tauschaktionen im Rahmen des Schichtwechsels macht unmissverständlich deutlich: Werkstätten leisten einen wichtigen Beitrag zur Teilhabe am Arbeitsleben. Jede einzelne Tauschaktion ist eine wertvolle und bereichernde Erfahrung für alle Beteiligten. Und der Schichtwechsel als Ganzes ist eine Chance, mit Austausch auf Augenhöhe und gegenseitigem Respekt zu einer inklusiveren Gesellschaft zu werden.“